Erfahrung einer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin

Zitat: Ich denke, dass es viele unverarbeitete Traumata auf Seiten der Adoptiveltern gibt! Meine Erfahrung ist, dass die Adoptiveltern häufig adoptieren, weil sie selbst keine Kinder kriegen können. Das ist sehr kränkend und ich erlebe die Eltern, vor allem die Mütter, als sehr unsicher in ihrem Selbstwert. Es macht den Eindruck, als ob sie von sich denken irgendetwas nicht gut genug gemacht zu haben oder defizitär zu sein. Das stellt die erste Schwierigkeit dar, die aufzuarbeiten ist.

Dann adoptieren sie ein Kind, welches irgendwie mit dem unerfüllten Kinderwunsch „verknüpft“ wird. Manche Eltern verwöhnen ihr Adoptivkind EXTREM, setzen kaum Grenzen. Es macht den Anschein, dass es dem Kind an nichts fehlen darf, keine schwierigen Momente und Frust zugemutet werden dürfen. Auf Seiten der Eltern erlebe ich häufig große Verlustängste. Sie haben große Sorgen, dass sie das Kind, aufgrund der fehlenden biologischen Verbundenheit, wieder verlieren könnten. Auch gibt es viele Ängste, dass die Gene das Kind mit seinen biologischen Eltern stärker verbindet, als die sozialen Faktoren.

Es gibt zu wenig Aufklärung und Begleitung für Adoptivfamilien. Es fehlt häufig eine Art Urvertrauen auf beiden Seiten, dass man verbunden bleibt, auch wenn man sich mal nicht leiden mag.

Die Tabuisierung der Adoption bringe ich damit in Verbindung, dass man versucht das fehlende biologische Band zu verleugnen, weil es emotional zu bedrohlich wirkt und es einfacher ist, so zu tun, als gäbe es diese „Lücke“ nicht.

Kontaktaufnahme – aber wie?

Soll ich einen Brief schreiben oder direkt anrufen? Mit dieser Frage beschäftigt sich früh oder später jeder Adoptierte. Ist die Suche an sich soweit abgeschlossen und hat man den Namen, die Anschrift oder die Telefonnummer eines leiblichen Verwandten ausfindig...

Entmystifizierung der Herkunft

Nicht selten stellen sich Adoptivkinder vor, ihre Herkunftseltern sind Könige oder betuchte Adelige, die sie irgendwann später in ihrem Leben liebevoll willkommen heißen und sie aufnehmen wie den verlorenen Sohn oder die verschollene Tochter. Vermutlich weil im...

Mannheim’s US-Besatzungskinder

Aufgrund meiner eigenen Geschichte, möchte ich an dieser Stelle auf die US-Mischlingskinder (Afro-Deutsche) zu Sprechen kommen und ihren geschichtlichen Hintergrund erläutern. In den Nachkriegsjahren ab 1945 verzeichnete Mannheim einen Frauenüberschuss, weil Männer im...

Name gibt Identität und Wurzeln

Bis in die 90er Jahre wurde Adoptiveltern geraten, ihrem angenommenen Kind einen Vornamen ihrer Wahl zu geben. Das würde das Zugehörigkeitsgefühl stärken und es sei für das Kind von Vorteil. Das Gegenteil ist der Fall. Damit entreißt man dem Kind u. U. die letzte...

Trennungen

Wenn plötzlich eine Trennung von einer Bezugsperson droht, kann das ein Schocktrauma auslösen. Der Verlust einer nahen Bindungsperson kann einen Adoptierten in „Todesangst“ versetzen, wodurch der ganze Hormonaushalt aus dem Gleichgewicht gerät. Äußerst ungünstig bei...

Sicherheit & Geborgenheit

Seelische Heimat hat viel mit dem Gefühl zu tun, geborgen, sicher und verwurzelt zu sein.  Adoptierte suchen das Gefühl der Geborgenheit in anderen Menschen, bei ihren Mitmenschen, jedoch vor allem in Partnern. Nicht selten überfordert, hält dieser sie emotional auf...

Abgrenzung oder Ausgrenzung

Aus welchem Grund können sich Adoptierte nicht abgrenzen? Um sich gegen Übergriffe anderer Menschen abzugrenzen zu können, muss ein Kind in jungen Jahren von einer nahen Bezugsperson ganz angenommen worden sein. Diese Erfahrung steht vor der Fähigkeit zur Abgrenzung....

Bindungsschwierigkeiten

Viele Adoptierte reagieren im zwischenmenschlichen Bereich auf kleinste Signale der Ablehnung oder Nichtbeachtung durch anderen Menschen überaus sensibel. Sie sind schnell verletzt und ziehen sich zurück. Dadurch bringen sie sich oft selbst unbewusst in eine...

Trauer

Unterdrückte Wut und Trauer, die man nicht zeigen darf, entziehen einem Adoptierten Lebenskraft, die er sinnvoll für andere Dinge nutzen könnte. Oftmals sind sich Betroffene gar nicht im Klaren, dass sie wütend darüber sind, verlassen worden zu sein und dass sie eine...

Hospitalismussyndrom

Ein Beispiel:Wenn ein Baby nach der Geburt zur Nachsorge längere Zeit im Krankenhaus bleiben muss, kann sich das Hospitalismus-Syndrom ausbilden. D. h. es gibt negative Auswirkungen aufgrund des Entzugs von Nähe, Geborgenheit, persönlicher Ansprache. Ähnliche Symptome...